Sonntag, 20. Mai. 2018


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Muskauer Park

Mit einem verheißungsvollen Aufruf an die Einwohnerschaft seiner gräflichen Standesherrschaft Muskau begann im Jahre 1815 Herrmann von Pückler-Muskau (1785 - 1871) mit dem Projekt, einen Park in der Tal- und Auenlandschaft der Lausitzer Neiße und in den angrenzenden Höhenzügen des Muskauer Faltenbogens um das Städtchen Muskau anzulegen. Der dafür notwendige Erwerb von Besitzungen der Muskauer Einwohner sollte sich bald schon als kostspielig genug erweisen. Denn so reibungslos, wie von Pückler gedacht, folgten die Muskauer nicht dem durchaus erpresserischen Ansinnen des Standesherrn, kündigte dieser doch gleich an, bei einem Scheitern des Projekts seinen Besitz und auch die Bewohner zu verlassen. Mehr als das brachten die Arbeiten selbst zur Verwirklichung seiner utopischen und durchaus größenwahnsinnigen Ideen für eine monumentale Parklandschaft Pückler, 1822 in den Stand eine preußischen Fürsten erhoben, in weitere Geldnöte.
 
Pücklers Gartenleidenschaft teilte auch seine Frau Lucie, Tochter des preußischen Staatskanzlers Hardenberg, mit der er sich 1817 vermählte. Lucie selbst war in Muskau vor Ort zusammen, mit dem Gärtner Rehder für die praktische Umsetzung der Gestaltungsideen für den Park von entscheidender Bedeutung. Denn der Fürst hatte eine weitere Leidenschaft: das Reisen. So instruierte und dirigierte er aus der Ferne, immer auch etwas misstrauisch, ob seinen Phantasien auch wirklich gefolgt wird. Im Verlauf der Jahre waren es nicht nur die Länder Mittel- und Westeuropas, gar bis in den Orient und nach Nordafrika führte es Pückler. England und seinen Landschaftsgärten galt dabei sicherlich Pücklers besonderes Augenmerk. Die zweite Reise des Fürsten nach England ab 1826 aber diente einem ganz besonderen Ziel. Im Einverständnis von Lucie zuvor geschieden, weil der Schuldenberg inzwischen ins Unermessliche stieg, war Pückler auf der Brautjagd, oder noch treffender, auf Mitgiftjagd. Als sich immer mehr herausstellte, das in den inzwischen vor gewarnten Kreisen des englischen Adels keine Braut zu finden sei, kam die Gartenleidenschaft wieder durch. Aus der Brautschau wurde eine Gartenjagd, unzählige Anlagen in England, in Wales und in Irland suchte Pückler auf und studierte sie.
 
Die Briefe, Tagebuchaufzeichnungen und Erinnerungsalben sind spannende, zeitgenössische Berichte und Dokumentationen des gesellschaftlichen Lebens Englands. Sie sind aber auch aufschlussreiche, originale Quellen für Pücklers Erlebnisse und Eindrücke von den großen Landschaftsgärten sowie dafür, mit welchen eigenen Ideen er seinen Park in der Lausitz weiter gestaltet wissen wollte. Letztlich trat Pücklers Drohung, seinen Besitz aufzugeben, unbeabsichtigt, aber möglicherweise gar nicht so unerwartet ein. 1845 schließlich verkaufte er seinen Besitz in Muskau und zog mit Lucie nach Branitz bei Cottbus in den dortigen Familienbesitz. Die Gestaltung des Branitzer Parks wäre dann aber schon eine weitere, verdienstvolle Geschichte im Leben des „grünen" Fürsten, die hier nur erwähnt sein soll.
Seit 1846 wurde die Muskauer Anlage unter seinem neuen Besitzer, Prinz Friedrich der Niederlande, durch einen Schüler Pücklers, den Gartenarchitekten C. E. Petzold, weiter ausgebaut und wesentlich erweitert. Aber auch die nachfolgenden Besitzer, die Grafen von Arnim, änderten voller Respekt nur wenig an der Gesamtgestalt des Pücklerschen Werkes. 1883 erwarben die Grafen von Arnim den Besitz und sorgten für eine rege Wirtschaftsentwicklung. Im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges wurden die Grafen von Arnim enteignet. Der Park erstreckte sich nunmehr durch die Grenzziehung auf den Territorien zweier Staaten.
 
1955 wurde der deutsche Teil des Parks unter Denkmalschutz gestellt, der polnische Parkteil jedoch der Forstverwaltung unterstellt. Innerhalb weniger Jahrzehnte verwilderten die Parkareale östlich der Neiße nicht nur, offene Wiesenräume wurden teilweise aufgeforstet. Seit 1988 bestehen Kontakte zwischen deutschen und polnischen Denkmalpflegern zur Wiederherstellung des Parks als zweistaatliches Denkmal. 1992 wurde der Muskauer Park aus kommunalem Besitz in das Eigentum des Freistaates Sachsen überführt, eine staatliche Denkmal- und Kulturbehörde in Warschau war nunmehr für den Park Muzakowski auf polnischem Gebiet zuständig. Seit Gründung der Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau" 1993 konnten parallel zu den restauratorischen und Pflegemaßnahmen im Park auch verschiedene Bauten denkmalgerecht saniert werden.
 
Nachdem inzwischen die aus der Grenzziehung entlang der Neiße resultierende Teilung des Parks überwunden werden konnte, wird längst intensiv und über Ländergrenzen hinweg an der Restaurierung des Parks in seiner Gesamtheit gearbeitet. Sichtbarer Ausdruck der Arbeit der Denkmalpfleger über die Grenzen hinweg ist der inzwischen erfolgte Wiederaufbau der Doppelbrücke, die den deutschen und den polnischen Parkteil inmitten des Muskauer Parks verbindet und so von Besuchern für den Parkspaziergang bzw. für die Fahrradtour durch das Parkareal benutzt werden kann.
Die Parkanlage, eingebettet in ein terrassenförmiges Landschaftsrelief, weist eine Größe von etwa 830 ha auf. Kennzeichnend sind die großräumige Gestaltung, die weiten Sichtbeziehungen, die unterschiedlich intensive Ausgestaltung der Parkbereiche und künstliche Wasserläufe ebenso wie die geschickte Nutzung des Geländereliefs und des Flusslaufs der Neiße für die künstlerische Gestaltung, die den Betrachter ständig wechselnde, dreidimensionale Landschaftsbilder erleben lassen.
 
Pückler verarbeitete in der Gestaltung des Muskauer Parks zahlreiche Eindrücke und Erlebnisse vom Studium der Landschaftskunst in England, ohne sie jedoch einfach nur zu kopieren. Inspiriert von unterschiedlichen Stilen englischer Landschaftsgärten entwickelte der Gartenfürst sehr wohl eine eigene Formensprache in der meisterhaften Ausgestaltung eines die Natur idealisierenden, pittoresken Landschaftsgartens, die selbst wiederum Vorbild für Gestaltungen von Parkanlagen sogar in Nordamerika wurde.
 
Auf geniale Weise verstand es Pückler, das Neue Schloss im Herzen des Parks, mit wichtigen Hintergrundelementen optisch zu vernetzen und wichtige Aussichtspunkte und Architekturen in wechselseitige Sichtbeziehungen einzubinden. Die Stadt selbst verschwindet gewissermaßen inmitten des sie umgebenden Grünzuges und ist aus dem Park heraus, selbst von den Anhöhen, so gut wie unsichtbar. In der Parkkomposition spielen nur die vorhandenen Naturelemente eine wesentliche, die Bauwerke jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Das Geländerelief, der Flusslauf der Neiße, Altbäume, große Eiszeitfindlinge ebenso wie eine schon damals vorhandene Bergbaufolgelandschaft wurden zu einem neuen Bild zusammengefügt und nur zurückhaltend mit Zutaten versehen. Grundsätzlich ist der Muskauer Park nach dem Zonierungsprinzip gegliedert: den Gartenpartien um das Neue Schloss und dem umliegenden pleasureground fügen sich der eigentliche Park und die weite Landschaft mit bewirtschafteten Flächen, der ornamental farm, an. Sein 1834 veröffentlichtes Buch "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei verbunden mit der Beschreibung ihrer praktischen Anwendung in Muskau" gilt heute, mehr denn je, als einflussreiches, gartentheoretisches Standardwerk.
 
Der Muskauer Park ist heute ein einzigartiges Gartenkunstwerk von Weltrang. Aus der intensiven und von enormer Dynamik geprägten Zusammenarbeit deutscher und polnischer Denkmalpfleger bei der Wiederherstellung des ganzheitlichen Landschaftsparks resultierte im Juli 2004 die Aufnahme des Muskauer Parks in die UNESCO-Liste des Welterbes. Sie krönt die bisherigen Bemühungen, den Muskauer Park erlebbar wiederzuvereinigen. Aber, bis zur vollständigen Restaurierung dieses Gartenkunstwerks im Pücklerschen Sinn ist noch ein langer Weg zu gehen. So gilt es, die Randbereiche des Parks, insbesondere im polnischen Parkteil, weiter behutsam in den Park zu integrieren, Wege und Brückenbauten weiter zu sanieren. Die Wiederherstellung der zerstörten Englischen Brücke im nördlichen Parkbereich sowie die Eröffnung der sanierten Schlossgärtnerei mit dem Küchengarten und der Ausstellung „Ananas! Die Königin der Früchte im Muskauer Park“ sind weitere, jüngst vollbrachte Projekte.
Beim Spaziergang im Park gilt das Interesse der Besucher den historischen Bauten, allen voran dem Neuen Schloss. Das Neue Schloss im Herzen des Muskauer Parks ist eine dreiflügelige Anlage im Stile der Neorenaissance und war Wohn- und Arbeitssitz der Muskauer Standesherren. Die Wiederaufbauarbeiten des am Ende des letzten Weltkriegs durch Brand zur Ruine gewordenen Neuen Schlosses werden, so die aktuellen Planungen, wenigstens noch zum Jahr 2013 andauern. Im Südflügel befindet sich seit dem Jahr 2008 eine Dauerausstellung sowie im Haupteingangsbereich im Westflügel das neue Tourismuszentrum als Anlaufpunkt der Parkbesucher. Der Titel der Ausstellung „Pückler! Pückler? Einfach nicht zu fassen!" ist Programm. Pückler war nicht einfach nur Fürst - als Frauenheld, Verschwender, Reisender, Schriftsteller und vor allem als Gartenkünstler sorgte er weltweit für Schlagzeilen. Seine Erlebnisse bieten Stoff für Legenden und Abenteuergeschichten. Pückler erzählte sie allzu gern selbst, inszenierte sich in Briefen, Tagebüchern und Reisebeschreibungen. All seine Facetten zeigt die
Ausstellung „Pückler! Pückler? Einfach nicht zu fassen!" im Neuen Schloss in Bad Muskau und veranschaulicht Werden und Wachsen des Pücklerschen Gartenkunstwerks. Von der Aussichtsplattform auf dem Turm des Neuen Schlosses bietet sich ein fantastischer Rundblick auf den Muskauer Park.
 
Doch längst schon erwartet den Besucher bei einem Aufenthalt ein gepflegter Park, in ihm zu Fuß gut begehbare, viele auch per Fahrrad gut befahrbare und in jedem Fall weite Wege und entlang dieser, wo Pückler sie schon aufstellen ließ, alte Granitbänke, die anstelle von eher störenden Tafeln Markierungszeichen für die faszinierendsten Parkblicke darstellen.
 
Um sich auf den Besuch des Muskauer Parks einzustimmen ist Eines besonders wichtig: man sollte ausreichend Zeit einplanen. Lassen sich die zentralen Parkbereiche unmittelbar um das Neue Schloss in wenigen Stunden erkunden, benötigt man für die vom Schloss entfernten Partien beispielsweise im Bade- und im Bergpark oder am ehemaligen Standort des Englischen Hauses, einst beliebte Ausflugslokalität östlich der Neiße, weit mehr Zeit und das Fahrrad oder die Pferdekutsche als Hilfsmittel. Das lohnt allemal, da man nur dann die durchaus spektakulären Sichten von den Wegen entlang der Höhenzüge in das Zentrum des Parks und darüber hinweg auf die jeweils gegenüberliegende Seite dieser künstlerischen Landschaft, deren Grünzüge am Horizont mit dem Himmel zu verschmelzen scheinen, erleben kann.
 
Quelle: Dietmar Damzog/Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“/Stand August 2012
Fotos: "Tränenwiese und Neues Schloss" + "Schlosswiese im Mai" Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“/ Astrid Roscher  
 
Weitere Informationen: Muskauer Park
 
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31.05.2017 06:00h
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